Gebärdensprache PDF Drucken E-Mail

Die Gebärdensprache ist das Kommunikationsmittel der Gehörlosen. Sie ist eine linguistisch vollständige Sprache, die erforscht wird und mittlerweile auch gesetzliche Anerkennung gefunden hat. Da Sprache Grundlage, Träger und Identifikationsmerkmal einer Kultur ist, so hat sich um die Gebärdensprache auch eine Gehörlosenkultur entwickelt.
Blickt man in die Geschichte der Gehörlosen, dann ist die Gebärdensprache eine unterdrückte Sprache. Seit Ende des 19. Jahrhunderts durfte in Deutschland nur noch lautsprachlich an den Gehörlosenschulen unterrichtet werden (orale Erziehung). Durch Artikulation und Mundabsehen sollten Gehörlose völlig in ihre hörende Umwelt integriert werden. Die Gebärde war verpönt, teilweise an den Schulen unter Strafe verboten.
Trotzdem ist die Gebärdensprache - als das ideale Kommunikationsmittel - erhalten geblieben und hat sich an den jeweiligen Schulstandorten als "heimliche" Sprache eigenständig weiterentwickelt. So existieren bis heute die unterschiedlichen "Schuldialekte". Gebärdensprache ist in Deutschland (wie auch weltweit) nicht einheitlich. Freilich ist dieser Zustand nur für "Hörende" verwirrend, Gehörlose haben (auch international) mit diesem Zustand kaum Probleme ("Gehörlose sind Kommunikationskünstler, da sie ständig mit Kommunikationsproblemen umgehen müssen").
Erst im letzten Drittel des 20. Jahrhunderts wurde die Gebärdensprache linguistisch erforscht und allmählich setzte eine Anerkennung der Sprache ein.
Mittlerweile wird an vielen Hörgeschädigtenschulen die Gebärdensprache mit eingesetzt, vor allem bei der Vermittlung von Unterrichtsinhalten leistet sie gute Dienste. Auch Projekte des "bilingualen" Unterrichts zeigen gute Erfolge.

Fingeralphabet

In der Gebärdensprache unterscheidet man:

    LBG (Lautsprachbegleitende Gebärde)

    DGS (Deutsche Gebärdensprache)

LBG übersetzt Wort für Wort die Sprache nach den Regeln der deutschen Grammatik. LBG ist die "Gebärdensprache", die sich an Menschen richtet, die Lautsprache erworben haben (z.B. Schwerhörige) und wird lautsprachunterstützend mitgebärdet.

DGS ist die eigentliche Sprache der Gehörlosen. Sie besitzt eine eigenständige Grammatik. Sie vereint die Gebärde, Mimik (Mundmimik), Mundbild, Körperhaltung, Fingeralphabet u.a. und wird ohne Stimme gebärdet.
Ein in der DGS gebärdeter Satz sieht zum Beispiel so aus: "HEUTE ICH SCHULE AUTO-FAHREN HIN" (Heute fahre ich mit dem Auto zur Schule). Da die DGS keine praktikable Schrift kennt, in der man sich auch Hörenden mitteilen kann, wird häufig DGS in Schrift Eins zu Eins umgesetzt. Der grammatikalisch richtig gebärdete Satz ist in schriftlicher Form grammatikalisch falsches Deutsch. Das führt häufig dazu, dass Hörende an den kognitiven Fähigkeiten von Gehörlosen zweifeln. Deshalb sollte man sich immer vor Augen führen, dass die deutsche Schriftsprache nur ein notgedrungenes Vehikel der Gebärdensprache darstellt.

 

Gebärdensprache und Gehörlosenseelsorge  

Trotz Unterdrückung der Gebärdensprache in früheren Zeiten haben Gehörlosenseelsorger (damals Taubstummenpfarrer) die Wichtigkeit der Gebärde in der Kommunikation mit Gehörlosen erkannt. So wurde schon lange vor einer Anerkennung als Sprache in den Gemeindeveranstaltungen (Gottesdienste u.ä.) gebärdet (LBG).
Mittlerweile sieht die Ausbildung zum Gehörlosenpfarrer/ zur Gehörlosenpfarrerin den Erwerb der DGS vor. Freilich sind die Pfarrerinnen und Pfarrer in den Veranstaltungen (Gehörlose und Hörende) immer wieder gezwungen auf LBG oder "DGSsisch" (DGS mit Stimme) auszuweichen. Allein bei Großveranstaltungen oder "dolmetschen" wird in DGS gebärdet (und je nach Situation parallel "gevoict").

 
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